Der Klimagarten am LBBZ Schluechthof

Raphael Vogel und Janna Ottiger

Mitte April 2021 war es soweit: Der Klimagarten am Schluechthof wurde aufgebaut und die Pflanzen wurden angesät. So war während der Sommermonate die Wanderausstellung «Klimagarten 2085» zu besichtigen, die Besucherinnen und Besucher einlud, mehr über mögliche zukünftige Klimaszenarien und die Auswirkungen des Klimawandels auf Nutzpflanzen zu erfahren.

Hintergrund

Der Klimawandel gilt als eines der brisantesten Themen unserer Zeit. Unser Klimagarten bestand aus zwei Gewächshäusern und einem Aussenbeet. An allen drei Orten wurden dieselben Pflanzen angebaut. Somit hatten die Pflanzen draussen heutige Klimabedingungen, während das erste Gewächshaus die Klimaerwärmung im Jahr 2085 mit der Reduktion der Treibhausemissionen um 50 % simulierte.

Das zweite Gewächshaus simulierte die fortschreitende globale Erwärmung ohne klimapolitische Massnahmen. Am Schluechthof wurden die Gewächshäuser im Vergleich zur durchschnittlichen Tagestemperatur im Sommer je um 3 und 6,5 Grad Celsius erwärmt. Dazu installierten wir Sensoren, die am Tag die Temperatur im jeweiligen Gewächshaus massen und gleichzeitig mit der Heizung verbunden waren, um den Klimagarten je nach Aussentemperatur mehr oder weniger zu heizen. Um auch der dem Klimawandel inhärenten Trockenheit gerecht zu werden, wurde die Hälfte der Pflanzen im Klimagarten um 30 Prozent weniger bewässert. Die Werte dazu wurden von Forschenden an der ETH Zürich und MeteoSchweiz berechnet. Koordiniert wird die Wanderausstellung vom Zürich-Basel Plant Science Center, einem Kompetenzzentrum für Pflanzenwissenschaften der ETH Zürich, der Universität Zürich und der Universität Basel.

Die Umsetzung am LBBZ Schluechthof

In unserem Klimagarten wurden 19 verschiedene Nutzpflanzen angebaut. Zu den Futterpflanzen zählten Ackerbohne, Eiweisserbse, Mais, Sorghum, Triticale, Luzerne, Weissklee, Italienisches Raygras und Kunstwiese. Kartoffeln, Raps, Weizen, Körnerhirse, Schlangengurke, Sonnenblume, Reis und Lupine repräsentierten Kulturen der direkten Humanernährung. Als Gründüngungen wurden UFA Delta und UFA Lepha angebaut. So wurden zahlreiche Schluechthof- und Spielplatzbesuchende in den Klimagarten gelockt. Auch Schulklassen und Vereine statteten uns Besuche ab und eruierten während Workshops die Fotosynthese-Fähigkeiten der Pflanzen, die mit Hitze und Trockenheit zu kämpfen hatten.

Ergebnisse

Obwohl während des Sommers verschiedene Schwierigkeiten wie die Konstanthaltung der Temperatur, die Senkung der Feuchtigkeit in den Gewächshäusern oder Extremeinflüsse wie Hagel und Regen auftauchten, dürfen wir auf ein spannendes und lehrreiches Projekt zurückblicken. Wie erwartet konnten sich C4-Pflanzen wie Mais, Sorghum und Körnerhirse besser an die Wärme anpassen. Auch Pflanzen mit einem stark ausgeprägten Wurzelwerk wie etwa die Luzerne konnten dem Wasser- und Hitzestress besser trotzen und erzielten auch unter erschwerten Bedingungen gute Erträge. Die «klassischen» Ackerkulturen unserer Breitengrade wie beispielsweise Ackerbohne, Eiweisserbse oder Weizen haben die warmen und trockenen Bedingungen zwar überlebt, bildeten aber im Vergleich zum heutigen Klima weniger und kleinere Früchte. Flachwurzler wie Gräser und Klee zeigten insbesondere bei reduzierter Bewässerung sehr grosse Ausfälle, wie wir es auch im trockenen und heissen Sommer 2018 erlebten.

Um Neugierige zu Hause mit Informationen über den Klimagarten zu versorgen, erstellten wir auf der Homepage des LBBZ Schluechthof einen Blog und hielten Interessierte durch die sozialen Medien auf dem Laufenden. Somit kann man das Projekt und seine Ergebnisse weiterhin nacherleben, auch wenn der Klimagarten im September abgebaut wurde.

www.klimagarten.schluechthof.ch

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