Der Klimagarten in Menzingen: Ein löchriges Paradies

Intro

Alles begann im Kollegium mit einer Idee. Aus der abstrakten Idee wurde allmählich eine konkrete Utopie. In vielerlei Hinsicht standen diejenigen, die sich dieser Idee mit Herzblut und Idealismus annäherten, vor etlichen Zangengeburten. Diese schreckten uns jedoch nicht ab, sondern spornten uns an, jedem herausfordernden Moment kreativ, kollaborativ und zielorientiert zu begegnen. Zu Beginn standen zahlreiche Fragen im Raum: Wie genau? Wer mit wem? Wie viele? Gemeinsam oder alleine? Vor-während-oder-nach dem Unterricht?  Schnell wurde uns allen klar, dass die Realisierung des Projekts von zahlreichen administrativen Faktoren abhängt, von unserer Beharrlichkeit und dem Goodwill der KSM-Gemeinschaft.

Gerne möchten wir euch einen Einblick in diese facettenreiche Zeit geben, indem wir auf ein paar Episoden eingehen und dabei den Originalton so gut wie möglich wiedergeben.

Der Start

Eine anfängliche Skizze ermutigte uns alle den Traum eines Klimagartens gemeinschaftlich zu realisieren:

Am 8. März 2021 war es dann so weit. Wir machten den grossen Schritt aus der Theorie in die Realität: «Wir starten heute mit Bauen, hier die Anleitung für die Pflanzkisten (Kopien sind auch in der Werkzeugkiste drin). […] Wir brauchen für nächste Woche Akkuschrauber und -bohrer. Am liebsten bereits aufgeladen. Ich bringe eines mit – wer kann sonst noch ein Gerät entbehren und würde es zur Verfügung stellen? Wäre gut, wenn wir 4 Geräte hätten. Bitte anschreiben und im Werkzeugschrank im Kopierraum einschliessen. Danke. Kann mich jemand diesen Fr 12.3 ablösen, ich hätte um 13 Uhr eine Sitzung und eine Schülerin hat sich noch von 12.45 bis 13.15 zum Pflanzenkisten bauen eingetragen.»

Die Arbeit an den Holzkisten, in denen später mal die Erde mit den Pflanzen liegen sollte, wurde von vielen Schülerinnen und Schülern, sowie auch von vielen Lehrpersonen wahrgenommen. Zu zweit oder zu dritt wurde getackert, was nicht nur Kraft, sondern auch Nerven und Durchhaltevermögen kostete. Am Ende jedoch konnten die Erbauer erleichtert ihre Namen an der Kiste verewigen.

Die Wettergötter meldeten sich

Nachdem das Material geliefert wurde, wurden wir Mitte März auf dem Hügel Menzingen von den lokalen Witterungen überrascht, sodass sich der Aufbau der zwei Treibhäuser verzögerte:

Liebe Alle:

  • Falls Schnee liegt, können wir aber am Do/Fr das Fundament noch nicht legen. Da kann es zu Verzögerungen kommen. Evtl. können wir diese aber auch noch am Mo 22. schrauben.
  • Für Di 23.3. ist die Erdlieferung geplant, falls es vom Wetter her nicht geht (Regen/Schnee), dann verzögert sich das auch und somit auch das Aufstellen der Gewächshäuser. Flexibel bleiben.

Liebe Klimagarten-Bauer*innen

mit dem Schnee können wir morgen und Freitag die Fundamente nicht legen. Am Wochenende sollte es trockener werden, vermutlich ist aber der ganze Untergrund völlig durchnässt – wir können momentan nichts Stabiles sauber aufstellen. Wir verschieben damit die grossen Bauarbeiten sicher um eine Woche. Kleine Arbeiten wie die Gehwege fertig schrauben/ Kisten verstärken können wir weiterhin:

  • Fundamente legen Freitag 26.3./Mo 29.3.
  • Schulhaus mit Florliner einpacken Montag 29.3.
  • Erdarbeiten Dienstag 30.3.
  • Gewächshäuser aufstellen Mittwoch 31.3.»

Nachdem geregelt werden musste, welche Wege und Werkzeuge genutzt werden sollten, um die Pflanzenkisten mit Erde zu befüllen, meldeten sich bei uns wieder einmal die Wettergötter. Sie meinten es nicht gut mit uns:

Schadensbilanz vom Wochenende

«Hallo zusammen

Die Treibhäuser haben unter dem Wind und Schnee etwas gelitten. So wurden einige Plastikelemente vom Wind und Schnee eingedrückt bzw. in der Gegend verteilt. Auch das Waschbecken wurde umgeworfen.

Gute Nachricht: Alle Elemente sind noch ganz und können wieder montiert werden.

Schlechte Nachricht: Ein Element fehlt im Moment nach meiner Einschätzung. Ich hoffe es kommt irgendwo unter dem Schnee noch hervor.

Fazit: Mit Schnee ist hoffentlich nicht mehr zu rechnen, aber mit Wind schon. Daher müssen wir die Plastikelemente irgendwie besser fixieren. Ich schaue morgen Vormittag mal, ob ich die vorhandenen Elemente wieder einsetzen kann. Mit dem Schnee könnte es aber etwas mühsam werden, wenn ich Schrauben lösen muss. Nicht dass die auch noch im Schnee verschwinden.

Ich freue mich auf die kleine Eröffnung vom Donnerstag. Auch wenn dann vielleicht alles noch etwas sanierungsbedürftig ausschaut. Vielleicht finden wir ja auch an der SchiLW über Mittag noch etwas Zeit, die Treibhäuser wieder flott zu machen.»

Die Eröffnung

Endlich! Was für ein gemeinschaftlicher Kraftakt. Mitte April konnten wir nun den Klimagarten eröffnen:

«Liebe Alle, dank vieler Hände Mitarbeit sind alle Pflanzkisten gefüllt, die Gewächshäuser stehen auf ihren Fundamenten und sie sind aufs erste Mal angeschraubt. Zu tun ist noch: evtl. nochmals losschrauben, besser ausrichten, besser anschrauben. Wenn fixiert, Platten nochmals prüfen, bei Bedarf nochmals bisschen in die Schienen schieben. Eine Türe fehlt noch. Regenrinnen fehlen noch. Alle Bestandteile und Schrauben im Gewächshaus, Werkzeug im Kopierraum im Schrank. Danke allen für den Grosseinsatz!»

Die Installation der Bewässerung war eine Sisyphusarbeit, die wir hier nicht im Detail schildern wollen. Schliesslich diente sie als Mittel zum Zweck. Bei der Installierung der Temperaturkontrolle gab es ebenfalls Schwierigkeiten:

«Liebe KlimagärtnerInnen, unser Physikassistent ist so nett und übernimmt die Kontrolle von Heizung und Kühlung in den Gewächshäusern. Grosses Merci an ihn! Leider sind die Geräte noch nicht angekommen. Habe mal bei der ETH angeklopft, bin an die Lieferanten weitergewiesen worden und habe nun dort angeklopft. Und heute ab 11.15 klopfe ich das Gewächshaus wieder zurecht, wer Lust hat mitzuklopfen, herzlich willkommen. Wir sehen uns hoffentlich alle am Einweihungsfestlein. bis bald und lieben Gruss»

Der Durchbruch

In den folgenden Wochen bereitete uns das wechselhafte Wetter oft Probleme, welche sich in zahlreichen Schäden und darauffolgenden (provisorischen) Reparaturen auszeichneten.

«Liebe alle, die Gewächshäuser haben ziemlich unter dem Wind gelitten. Schrauben rausgewackelt, Klebstreifen abgerissen, Wände/Dachblätter davongeflogen. Wir reparieren morgen ab 10:30. Wer Zeit hat, herzlich willkommen. Wir haben noch ein Windschutz-Set gesehen, vielleicht können wir dies bis morgen bekommen und gleich installieren. (gummierte Alu-Leisten, die man auf die Schnittstellen befestigt.)»

«Klimagarten 2085 Ich sitze gerade in Zürich an meinem Schreibtisch und lese ein E-mail, dass die Dachlatte eines Gewächshauses gerade gefährlich wackelt. Ist jemand an der Schule von Euch und kann einen Blick werfen?»

Doch siehe da: Nach den Sommerferien waren wir erstaunt, wie im Tropenparadies die Pflanzen durch die Decke schossen, die Treibhäuser langsam zerbröselten der Mikroplastik die Bodenfunktion und das Bodenleben beeinträchtigte.  

Einblicke Workshops

Anlässlich der einmaligen Chance eines Klimagartens wurden an der KSM auch einige Workshops, geleitet von der ETH, angeboten. Verschiedene Themenbereiche wie Klimaschutz und Symbiosen zur Biodüngung wurden in diesen Abgedeckt:

Hellbegeistert war auch eine Schwerpunktfach Klasse, welche sich insgesamt sechs Wochen mit dem Ziehen verschiedener Pflanzenarten auf den Workshop vorbreiteten. Der Mykorrhiza Pilz und seinen Nutzen für die Landwirtschaft wurde den Schülern nähergebracht. “ Eine Pflanze sollten wir mit Mykorrhiza behandeln, die andere ohne. Und dann haben wir am Workshoptag geschaut, wie sich die Pflanzen verschieden entwickelt haben.” Aus dem Plan der Schüler gingen jedoch ernüchternde Ergebnisse hervor. Weder bei den Bohnen noch bei den Erdbeeren waren signifikante Unterschiede zwischen den beiden Behandlungsmethoden aufgetreten. Dennoch konnten die Lernenden Fähigkeiten im Wissenschaftlichen Arbeiten erwerben. Zudem nahmen die meisten nicht nur ein kleines Balkon Pflänzchen, sondern das neuerlernte Wissen zu Symbiosen mit nach Hause.

In einem weiteren Angebot der ETH konnte die Auswirkung des Klimawandels auf Pflanzen aus nächster Nähe erforscht werden. «Mir war nicht bewusst, dass der Klimawandel so einen direkten und spürbaren Effekt auf meine Basilikumpflanze hat.» Berichtet eine Schülerin, nach dem Workshop. «Es wird mir jetzt bewusst, dass der Klimawandel auch in meinem Garten spürbar sein könnte.» Durch die praxisnahe Auseinandersetzung mit der komplexen Thematik, wird den Schülerinnen verständlich beigebracht welche Verantwortung jeder Einzelne für die Umwelt trägt.

Zum Schluss können wir sagen. dass alle glücklich waren: Die Wissensbegierigen und die Hungrigen auf den Wiesen.